Ein Tag Baustelle

Für alle, die wissen wollen wie unsere Tage auf der Baustelle so aussehen oder
Für alle, die sich fragen wie viel Architekturstudenten tatsächlich selbst machen oder
Für alle, die uns unterstellen in Retz Urlaub zu machen und nur Wein zu trinken oder
Für alle, die meist vorm Computer sitzen und gerne dem arbeitenden Volk zusehen.

Enjoy!

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Den Boden unter den Füßen weg ziehen

Das denkmalgeschützte Gebäude wird komplett mit neuer Haustechnik ausgestattet. Das bedeutet auch der Bodenaufbau muss überall entfernt werden, um alle neuen Leitungen zu verlegen. Nach zwei Wochen Baustelle können wir unter anderem stolz behaupten: Wir haben uns den gesamten Boden unter den Füßen weggezogen!

Jeder vorgefundene Boden erforderte so seine eigene Technik. Da hätten wir als erstes den Estrich, beziehungsweise das gewisse „Beton-Etwas“, im Erdgeschoß. Muskelkraft und Ausdauer waren gefragt!

Das Stabparkett in Teilen des ersten Obergeschoßes stellte sich anfangs als echt zach heraus. Mit Handwerkzeugen, wie Meißel und Hammer, versuchten wir den Boden zu lösen. Jedes einzelne 2 cm Stäbchen löste sich einzeln. Schnell fand sich eine effizientere und amüsantere Lösung. Hilti-Klein,Schutzbrille,Oberschenkelkraft und da hüpfen die Stäbchen lustig durch die Luft. Professionell ist das vielleicht nicht, aber funktioniert hat es allemal.

Ganz anders musste man mit dem historischen Schiffsboden umgehen. Eiche trifft Fichte – mit wunderschöner Patina. Dieser Boden wird so weit es geht restauriert und bleibt erhalten. Deshalb musste man an die Sache mit Geduld und Feinspitzengefühl heran gehen.

 

Pfusch am Bau

Nach mutmaßlicher Zerstörung folgt Pfusch. Aber wer konnte ahnen, wie schwer es ist eine Schuttrutsche zu montieren?

Innerhalb von zwei Tagen waren unsere zwei frisch gelieferten Bauschuttmulden mit je 8 m3 voll. Abholung dringend gewünscht. Dieses dringend wurde vermutlich etwas überinterpretiert. Als wir morgens verschlafen an der Baustelle ankamen, wurden die Mulden heimlich, wie von Heinzelmännchen, ganz ohne Unterzeichnung der Abholung, ausgetauscht gegen leere. Heinzelmännchen trifft es nicht ganz – denn die hinterlassen den Tatort leise, sanft und ohne sichtbare Spuren. Hier sah es etwas anders aus:

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Man beachte die auffällig in den Erdboden gedrückten, unverwechselbaren Reifenspuren, die direkt auf das zertrümmerte Objekt führen. Auf Wiedersehen Brunnen!

Neue Schuttmulden bedeuten aber auch endlich wieder Möglichkeit zum Neubefüllen. Und Schutt haben wir noch genug. Außerdem heißt das, dass wir die Vorteile unserer neu eingetroffenen Schuttrutsche endlich auskosten dürfen. Kein Stufen-Laufen und Schleppen mehr, sondern einfach den Schutt aus dem Fenster im ersten Stock hinunter in die Mulde flutschen lassen. Herrlich!
Nur montieren sollte man das Ding auch können.

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Nach einer Stunde Arbeit: Bauschuttrutsche Versuch I.

Mit Hilfe einer Caritas Werkstätte, sehr kreativen Ideen zur Befestigung und dem Prinzip „Try & Error“ hing sie dann irgendwann richtig. Und die Reste des durchgebrochenen und wieder geöffneten historischen Stichgangs flutschten nach unten.

Apropos „Pfusch am Bau“ – und hier sind wir wiederum vollkommen unschuldig – unter und hinter Gipskartonplatten fanden wir dieses äußerst interessante Konstrukt eines „Möchte-Gern-Statischen-Systems“.

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Blick nach oben

Bestandteile sind vier unterschiedliche zusammen geflickte Stahlprofile und Ziegelsteine – sieht aus wie: „Was hama im Lager? Nehma den, den und den, des hält scho!“ Laut Statiker übernimmt das Etwas tatsächlich eine wichtige statische Funktion, aber sinnvoller Weise sollte es durch ein schlüssiges System ersetzt werden. Das schreit nach einer weiteren Änderung unseres Entwurfs.

Und morgen folgt ein neuer Baustellentag …

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Das schöne Weinviertel.

Baustart

Erster Schritt auf einer Baustelle ist die Baustelleneinrichtung und -sicherung. Das war auch der Plan für unseren ersten Bautag. Falsch gedacht.
Tatendrang war angesagt. Nach kurzer Besprechung strömten wir in alle Ecken des Gebäudes aus und überfielen den Bau wie Insekten. Wir zerstörten, was wir zerstören durften. Am besten ausgerüstet waren die Teams im Erdgeschoß mit den Stemmhammern. Der Bauschutthaufen im Garten wuchs in kürzester Zeit aufs zehnfache, genauso wie die Schweißperlen auf unserer Stirn immer mehr wurden. Als die Sonne unterging und manche von uns die Blasen auf den Fingern schon quälten, beendeten wir den ersten Bautag mit respektablem Baufortschritt. Wenn das so weiter geht, schaffen wir den Zeitplan vielleicht doch.