Bewegtes Badboxenbauen

Vor zwei Wochen hat Nevena unsere Baustelle besucht und uns neben gekonnten Schnappschüssen ein wunderbares Video überlassen. Es zeigt uns beim fleißigen Aufbauen der Sanitärraum-Skelette und wie wir sie mit OSB beplanken. Weil’s ein Sonntag war, sieht man nur uns und niemanden von den professionellen Gewerken (derzeit meistens Baufirma, Tischler, Installateur und Elektriker) oder den Caritas-Werkstätten herumgeistern. Darum ist auch die Stimmung entsprechend locker.

Danke, Nevena!

Über die Planke!

Die hölzernen Skelette aller Badboxen sind fertig geworden – und alle nötigen Installationen und Leitungen eingebaut. Jetzt geht’s ans Dämmen und Beplanken. Unser aller Feind, die Mineralwolle, die wir zum Füllen der Hohlräume verwenden, wird so schnell wie möglich mit OSB-Platten wieder bedeckt – sozusagen aus den Augen, aus dem Sinn – der Juckreiz lässt jedoch erst viel später nach. Und hat man so eine gesamte Beplankung von Decke und Wänden der Bäder geschafft, darf man auch gleich wieder von vorne beginnen – diesmal mit Gipskartonplatten. Das ganze wird verspachtelt und mit einer zweiten Schicht Gipskarton ein drittes Mal verkleidet.

Durch die sich jetzt tatsächlich schließenden Wände bekommt man zum ersten Mal einen ganz anderen Eindruck, wenn man die Räume betritt: Man kann sich die fertigen Zimmer und Bäder schon vorstellen.

In einer Woche soll die Schüttung in die Boxen eingebracht werden und der Estrich darüber gegossen. Gut, dass wir tatkräftige Unterstützung von Studienkollegen bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle an alle Workshopteilnehmer, ohne die wir vermutlich ein kleines Zeitproblem hätten und die wieder so richtigen Schwung auf der Baustelle bringen!

Drähte, Kabel, Rohre, Schläuche

Genauso wichtig wie ein Entwurf sind natürlich die technischen Dinge. Darunter: HKLSE. HKLSE ist die Sammel-Abkürzung für Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär und Elektro und ist überraschend herausfordernd.

Seit einiger Zeit schon werkeln nun Installateur und Elektriker auf der Baustelle. Wir unterstützen beispielsweise durch freudiges Schlitze-Stemmen, Wand- und Decken-Durchbrechen und genauso wichtiges Aufpassen-wo-man-hintritt. Das Gebäude ist mittlerweile durchzogen von allerlei bunten Rohren, Kabeln und Schläuchen und auf den Wänden häufen sich neben dem eh schon vorhandenen Gekritzel noch mehr Markierungen.

Bevor die ausführenden Firmen auf der Baustelle eintrafen waren natürlich eine Menge zeitraubende Dinge zu erledigen. Allem voraus die HKLS- und die E-Planung, die in ständiger Absprache (um nicht zu sagen ständigem Hin- und Her) mit den jeweiligen Planungsbüros geschah, aber auch das Aussuchen von Geräten und Produkten, die wir preisgünstiger oder gar umsonst bekommen wollen, aber trotzdem unseren hohen Ansprüchen (in puncto Ästhetik, Barrierefreiheit, Hygiene, etc.) entsprechen müssen. Beim nicht un-leidigen Suchen von Sponsoren und Unterstützern fängt an manchen Tagen unser Postausgang zum Glühen an und die dabei produzierten Mails könnte man gedruckt wohl schon in ein ordentliches Buch binden.

Pfusch am Bau

Nach mutmaßlicher Zerstörung folgt Pfusch. Aber wer konnte ahnen, wie schwer es ist eine Schuttrutsche zu montieren?

Innerhalb von zwei Tagen waren unsere zwei frisch gelieferten Bauschuttmulden mit je 8 m3 voll. Abholung dringend gewünscht. Dieses dringend wurde vermutlich etwas überinterpretiert. Als wir morgens verschlafen an der Baustelle ankamen, wurden die Mulden heimlich, wie von Heinzelmännchen, ganz ohne Unterzeichnung der Abholung, ausgetauscht gegen leere. Heinzelmännchen trifft es nicht ganz – denn die hinterlassen den Tatort leise, sanft und ohne sichtbare Spuren. Hier sah es etwas anders aus:

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Man beachte die auffällig in den Erdboden gedrückten, unverwechselbaren Reifenspuren, die direkt auf das zertrümmerte Objekt führen. Auf Wiedersehen Brunnen!

Neue Schuttmulden bedeuten aber auch endlich wieder Möglichkeit zum Neubefüllen. Und Schutt haben wir noch genug. Außerdem heißt das, dass wir die Vorteile unserer neu eingetroffenen Schuttrutsche endlich auskosten dürfen. Kein Stufen-Laufen und Schleppen mehr, sondern einfach den Schutt aus dem Fenster im ersten Stock hinunter in die Mulde flutschen lassen. Herrlich!
Nur montieren sollte man das Ding auch können.

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Nach einer Stunde Arbeit: Bauschuttrutsche Versuch I.

Mit Hilfe einer Caritas Werkstätte, sehr kreativen Ideen zur Befestigung und dem Prinzip „Try & Error“ hing sie dann irgendwann richtig. Und die Reste des durchgebrochenen und wieder geöffneten historischen Stichgangs flutschten nach unten.

Apropos „Pfusch am Bau“ – und hier sind wir wiederum vollkommen unschuldig – unter und hinter Gipskartonplatten fanden wir dieses äußerst interessante Konstrukt eines „Möchte-Gern-Statischen-Systems“.

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Blick nach oben

Bestandteile sind vier unterschiedliche zusammen geflickte Stahlprofile und Ziegelsteine – sieht aus wie: „Was hama im Lager? Nehma den, den und den, des hält scho!“ Laut Statiker übernimmt das Etwas tatsächlich eine wichtige statische Funktion, aber sinnvoller Weise sollte es durch ein schlüssiges System ersetzt werden. Das schreit nach einer weiteren Änderung unseres Entwurfs.

Und morgen folgt ein neuer Baustellentag …

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Das schöne Weinviertel.

Baustart

Erster Schritt auf einer Baustelle ist die Baustelleneinrichtung und -sicherung. Das war auch der Plan für unseren ersten Bautag. Falsch gedacht.
Tatendrang war angesagt. Nach kurzer Besprechung strömten wir in alle Ecken des Gebäudes aus und überfielen den Bau wie Insekten. Wir zerstörten, was wir zerstören durften. Am besten ausgerüstet waren die Teams im Erdgeschoß mit den Stemmhammern. Der Bauschutthaufen im Garten wuchs in kürzester Zeit aufs zehnfache, genauso wie die Schweißperlen auf unserer Stirn immer mehr wurden. Als die Sonne unterging und manche von uns die Blasen auf den Fingern schon quälten, beendeten wir den ersten Bautag mit respektablem Baufortschritt. Wenn das so weiter geht, schaffen wir den Zeitplan vielleicht doch.

Blind Date mit Bauernhof Unternalb

Schon eine gute Woche nach unserem Kennenlern-Treffen fanden wir uns an einem Montagmorgen Ende Oktober am Bahnhof Retz wieder, um voller Tatkraft unseren Workshop anzutreten. Wir freundeten uns gleich mit der Stadt Retz an: Kein Großstadtchaos mehr, kein Rush-Hour-Verkehrslärm, dafür jede Menge ländliche Idylle. Wir bezogen unsere noblen Behausungen im ehemaligen Dominikanerkloster der Stadt und ließen uns sofort auf eine Expedition nach den historischen Stätten der Umgebung ein, wo wir mit Frau Ing. Urban-Leschnig vom Bundesdenkmalamt Exempel von mehr oder minder gelungener Denkmalpflegearbeit besichtigten und auch die Gegend etwas besser kennen lernten.

Der Caritas-Bauernhof in Unternalb wuchs uns sofort ans Herz. Das Grunzen der Bioschweine, das Blöken der Schafe und zwischen durch ein ratternder Traktor.

auch Alpacas gibts am Bauernhof

Der geschichtsträchtige Dreikanthof, in dessen Westflügel der Herbergsbetrieb untergebracht werden soll, enthält auch prächtige Seminarräume, die für die nächsten Tage unser Atelier wurden. Nach ausdauerndem Ideen-Suchen, Köpfe-Rauchen und Einfallsreichtum entwickelten sich bald Kleingruppen, die gemeinsam an Entwurfsgedanken feilten und begannen Einfälle zu konkretisieren. Die Raumhöhe von 4,40 m führte in vielen Entwürfen zur Nutzung des Raums auf verschiedenen Ebenen. Zur Schonung des Bestands entschieden sich viele für das Einstellen von freien Sanitäreinheiten.

Am Ende der Workshop-Woche präsentierten wir der Bauherrenschaft, Sonja Weikelsdorfer, Alfred Strohschneider, Thomas Krottendorfer und Markus Zoller, unter den strengen Augen des Bundesdenkmalamtes eine Palette von Konzepten. Diese sorgten nicht nur für positive Rückmeldungen, sondern für Begeisterung und auch anregende Kritik.