Insel aus Beton

Seit Anfang August schlummert in unserem Lager eine Platte aus Beton, die nur darauf wartet ausgeschalt zu werden. Mit Hilfe von Betonmöbelprofi Martin Murero wurde diese vor einigen Wochen gegossen, um eines Tages die Arbeitsfläche unserer selbst entworfenen Kücheninsel zu werden. Gleich daneben liegt eine weitere Platte, die auch in der Küche als Arbeitsfläche ihren Platz finden wird. In beide Flächen sind Waschbecken aus Beton integriert und die Bewehrung ist aus Putzträger-Netzen.

Beim Betonieren von so schönen Dingen ist das Ausschalen manchmal wie Geschenke auszupacken, darum freuen wir uns schon riesig darauf. Damit müssen wir aber noch warten bis die Baustelle für die Möbel bereit ist…

Drähte, Kabel, Rohre, Schläuche

Genauso wichtig wie ein Entwurf sind natürlich die technischen Dinge. Darunter: HKLSE. HKLSE ist die Sammel-Abkürzung für Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär und Elektro und ist überraschend herausfordernd.

Seit einiger Zeit schon werkeln nun Installateur und Elektriker auf der Baustelle. Wir unterstützen beispielsweise durch freudiges Schlitze-Stemmen, Wand- und Decken-Durchbrechen und genauso wichtiges Aufpassen-wo-man-hintritt. Das Gebäude ist mittlerweile durchzogen von allerlei bunten Rohren, Kabeln und Schläuchen und auf den Wänden häufen sich neben dem eh schon vorhandenen Gekritzel noch mehr Markierungen.

Bevor die ausführenden Firmen auf der Baustelle eintrafen waren natürlich eine Menge zeitraubende Dinge zu erledigen. Allem voraus die HKLS- und die E-Planung, die in ständiger Absprache (um nicht zu sagen ständigem Hin- und Her) mit den jeweiligen Planungsbüros geschah, aber auch das Aussuchen von Geräten und Produkten, die wir preisgünstiger oder gar umsonst bekommen wollen, aber trotzdem unseren hohen Ansprüchen (in puncto Ästhetik, Barrierefreiheit, Hygiene, etc.) entsprechen müssen. Beim nicht un-leidigen Suchen von Sponsoren und Unterstützern fängt an manchen Tagen unser Postausgang zum Glühen an und die dabei produzierten Mails könnte man gedruckt wohl schon in ein ordentliches Buch binden.

Langersehnte Pläne und was ihr sonst noch wissen wollt

In den letzten Wochen konnten wir wichtige Planungsschritte und Entscheidungen finalisieren. So blieb endlich ein bisschen Zeit, um die langersehnten Pläne präsentabel aufzuarbeiten. Außerdem auch ein kleiner Eindruck in die Materialität unserer Möbel und Einbauten – Beton und Birkenholz. Voilà …

Ein konsistentes Konzept

Von all den architektonischen Ideen, die unsere Hirne ausgespuckt haben, ist eine von Anfang an dabei gewesen, die nie Opfer von zwingenden Bestimmungen geworden ist, all die laaangen Diskussionen überlebt und sich bis zum Schluss gehalten hat:

Die Idee des Schaffens von zusätzlicher Fläche, durch die teilweise Teilung der 4,40 Meter hohen Räume in zwei Ebenen, ist schon in der ersten Woche entstanden und (zum Glück) bis jetzt erhalten geblieben.

Skizzen aus der Intensivwoche (gezeichnet von Flavia):

Konzept Boxen: Eingestellte, begehbare

die zweite Ebene auf Raumdeckeln

Wie die Boxen dann wohl als gebaute Realität aussehen werden? Selbst nach heißen Diskussionen über Material, Farbe und anderen Eigenheiten wissen wir das ehrlichgesagt selbst noch nicht ganz genau …

Neues Atelier

Dank Max und seinen lukrativen Beziehungen und der Kooperation der Caritas konnten wir nun Räumlichkeiten im leerstehende ehemaligen Hauptzollamt im dritten Bezirk als Atelier beziehen. Endlos Platz für uns und unsere Ideen – eine neue Denkwerkstatt!

Küche ist eingerichtet, Arbeitsplätze installiert. Entwurfsdetaillierungen werden gemacht.

Blind Date mit Bauernhof Unternalb

Schon eine gute Woche nach unserem Kennenlern-Treffen fanden wir uns an einem Montagmorgen Ende Oktober am Bahnhof Retz wieder, um voller Tatkraft unseren Workshop anzutreten. Wir freundeten uns gleich mit der Stadt Retz an: Kein Großstadtchaos mehr, kein Rush-Hour-Verkehrslärm, dafür jede Menge ländliche Idylle. Wir bezogen unsere noblen Behausungen im ehemaligen Dominikanerkloster der Stadt und ließen uns sofort auf eine Expedition nach den historischen Stätten der Umgebung ein, wo wir mit Frau Ing. Urban-Leschnig vom Bundesdenkmalamt Exempel von mehr oder minder gelungener Denkmalpflegearbeit besichtigten und auch die Gegend etwas besser kennen lernten.

Der Caritas-Bauernhof in Unternalb wuchs uns sofort ans Herz. Das Grunzen der Bioschweine, das Blöken der Schafe und zwischen durch ein ratternder Traktor.

auch Alpacas gibts am Bauernhof

Der geschichtsträchtige Dreikanthof, in dessen Westflügel der Herbergsbetrieb untergebracht werden soll, enthält auch prächtige Seminarräume, die für die nächsten Tage unser Atelier wurden. Nach ausdauerndem Ideen-Suchen, Köpfe-Rauchen und Einfallsreichtum entwickelten sich bald Kleingruppen, die gemeinsam an Entwurfsgedanken feilten und begannen Einfälle zu konkretisieren. Die Raumhöhe von 4,40 m führte in vielen Entwürfen zur Nutzung des Raums auf verschiedenen Ebenen. Zur Schonung des Bestands entschieden sich viele für das Einstellen von freien Sanitäreinheiten.

Am Ende der Workshop-Woche präsentierten wir der Bauherrenschaft, Sonja Weikelsdorfer, Alfred Strohschneider, Thomas Krottendorfer und Markus Zoller, unter den strengen Augen des Bundesdenkmalamtes eine Palette von Konzepten. Diese sorgten nicht nur für positive Rückmeldungen, sondern für Begeisterung und auch anregende Kritik.